Unfälle zwischen Radfahrern und abbiegenden Lastkraftwagen gehören zu den schwerwiegendsten Verkehrsereignissen in Deutschland, insbesondere in städtischen Gebieten, wo Radverkehr und Schwerlastverkehr auf engen Raum aufeinandertreffen. Die sogenannten Abbiegeunfälle führen häufig zu schweren Verletzungen oder gar Todesfällen, da Radfahrer besonders vulnerabel sind. Als Hauptursache dieser Unfälle gilt der tote Winkel von Lastkraftwagen, der es Fahrern erschwert, Radfahrer zu erkennen. Trotz technologischer Fortschritte wie Abbiegeassistenten und verstärkter regulatorischer Maßnahmen bleibt die Problematik akut.
Die Bundesanstalt für Straßenwesen schätzt, dass jährlich etwa 135 Unfälle mit Personenschaden zwischen rechts abbiegenden Lastkraftwagen (über 3,5 Tonnen) und ungeschützten Verkehrsteilnehmern (Radfahrern und Fußgängern) stattfinden, wobei Radfahrer häufig unter das Fahrzeug geraten und von einer Achse überrollt werden.
Die Geschlechterverteilung der Unfallopfer bei Abbiegeunfällen zeigt eine auffällige Überrepräsentation von Frauen, insbesondere älterer Frauen. [1] Auch Kinder und Senioren generell sind besonders häufig Opfer solcher Unfälle. Knapp zwei Drittel der tödlich verunglückten Radfahrer waren 65 Jahre oder älter, wobei der Anteil bei Pedelec-Nutzern noch etwas höher liegt. [2] Der Grund für die Überrepräsentation der (älteren) Frauen könnte unter anderem daran liegen, dass sie das Fahrrad tendenziell häufiger für alltägliche Fahrten im innerstädtischen Verkehr nutzen. Die Geschlechter- und Altersverteilung generell lässt aber auch vermuten, dass (junge) Männer die Verkehrssituation allgemein besser überblicken und Risikosituationen korrekter einschätzen. Des Weiteren reagieren sie vermutlich schneller auf Gefahrensituationen und beherrschen ihr Fahrrad im Allgemeinen besser.
Gemäß Unfallforschung der Versicherer sind Abbiegeunfälle nach Einbiege- und Kreuzungsunfällen die zweithäufigste Unfallkonstellation für Radfahrer im innerstädtischen Verkehr. Jede vierte im innerörtlichen Verkehr verunglückte Person ist ein Radfahrer, und Abbiegeunfälle sind oft besonders schwerwiegend. Eine Analyse der Versicherer zeigte, dass 90 Prozent der untersuchten Unfälle bei Tageslicht und trockener Witterung stattfanden, was darauf hindeutet, dass Sichtprobleme primär aufgrund des toten Winkels und nicht durch Wetterbedingungen bestehen. [1] Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club weist darauf hin, dass LKW-Fahrer in allen tödlichen Abbiegeunfällen im Jahr 2017 die Schuld trugen, was die Verantwortung der Fahrer unterstreicht. [3]
Laut einer Umfrage der Versicherer empfinden Radfahrer Situationen als gefährlich, wenn schnell fahrende Verkehrsteilnehmer, insbesondere LKWs oder Busse, beteiligt sind, schlechte Witterungsbedingungen herrschen oder Zeitdruck besteht. Umgekehrt fühlen sie sich sicherer, wenn langsamere Verkehrsteilnehmer oder Blickkontakt mit dem Fahrer vorhanden sind.
Technologische Lösungen wie Abbiegeassistenten könnten viele Unfälle verhindern, werden jedoch nicht ausreichend genutzt. Eine Kravag-Umfrage aus dem Jahr 2022 ergab, dass nur 57 Prozent der LKW-Fahrer Abbiegeassistenten verwenden, im Vergleich zu 94,3 Prozent für Notbremsassistenten. Daten der der Versicherer zeigen zudem , dass Entschädigungszahlungen durch den Einsatz solcher Systeme nur langsam sinken, was ebenfalls auf eine zögerliche Implementierung hinweist. Mängel der Infrastruktur, wie unzureichende Radwege oder schlechte Sichtverhältnisse an Kreuzungen, verschärfen das Problem zusätzlich.
Die vom Bundesverkehrsministerium 2019 gestartete „Aktion Abbiegeassistent“ sowie die StVO-Novelle von 2020, die LKW beim Abbiegen zur Schrittgeschwindigkeit verpflichtet, haben zu einer spürbaren Verringerung der Unfallzahlen beigetragen. So konnte die Zahl der Radfahrenden, die 2021 durch abbiegende Lkw ums Leben kamen, auf 20 reduziert werden. Seit Mitte des Jahres 2022 dürfen zudem europaweit nur noch neue LKW-Modelle zugelassen werden, die mit einem elektronischen Abbiegeassistenten ausgestattet sind. Für bereits im Verkehr befindliche Fahrzeuge bleibt die Nachrüstung jedoch freiwillig, weshalb noch auf absehbare Zeit viele Lastkraftwagen ohne diesen Sicherheitsassistenten unterwegs sein werden.
Zur weiteren Reduzierung von Abbiegeunfällen fordert der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club die flächendeckende Nachrüstung von LKWs ab 3,5 Tonnen mit Abbiegeassistenten sowie die Verbannung von Fahrzeugen mit schlechter Sicht aus Innenstädten. Weitere Vorschläge umfassen z. B. getrennte Ampelschaltungen für Geradeaus- und Abbiegeverkehr und infrastrukturelle Verbesserungen wie bessere Sichtverhältnisse an Kreuzungen. Radfahrenden selbst wird empfohlen, an Kreuzungen besonders vorsichtig zu sein und den Schulterblick von Autofahrern zu beachten, da diese oft abgelenkt sind oder die Vorfahrt missachten. [3]
Stand: September 2025
[1] https://www.udv.de/udv/presse/lkw-abbiegeassistent-gegen-radfahrerunfaelle-78750
[2] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/04/PD25_N020_461.html
[3] https://www.adfc.de/pressemitteilung/adfc-toedliche-unfaelle-mit-abbiegenden-lkw-nehmen-zu-scheuer-muss-handeln
Tags: Bundesanstalt für Straßenwesen BASt Unfallforschung der Versicherer UDV Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club ADFC LKW Lastkraftwagen Verkehr Abbiege Unfall Assistenz System Abbiegeassistenten Vorsicht Übersicht Aufmerksamkeit Kinder Senioren Frauen gender gap
Die Bundesanstalt für Straßenwesen schätzt, dass jährlich etwa 135 Unfälle mit Personenschaden zwischen rechts abbiegenden Lastkraftwagen (über 3,5 Tonnen) und ungeschützten Verkehrsteilnehmern (Radfahrern und Fußgängern) stattfinden, wobei Radfahrer häufig unter das Fahrzeug geraten und von einer Achse überrollt werden.
Die Geschlechterverteilung der Unfallopfer bei Abbiegeunfällen zeigt eine auffällige Überrepräsentation von Frauen, insbesondere älterer Frauen. [1] Auch Kinder und Senioren generell sind besonders häufig Opfer solcher Unfälle. Knapp zwei Drittel der tödlich verunglückten Radfahrer waren 65 Jahre oder älter, wobei der Anteil bei Pedelec-Nutzern noch etwas höher liegt. [2] Der Grund für die Überrepräsentation der (älteren) Frauen könnte unter anderem daran liegen, dass sie das Fahrrad tendenziell häufiger für alltägliche Fahrten im innerstädtischen Verkehr nutzen. Die Geschlechter- und Altersverteilung generell lässt aber auch vermuten, dass (junge) Männer die Verkehrssituation allgemein besser überblicken und Risikosituationen korrekter einschätzen. Des Weiteren reagieren sie vermutlich schneller auf Gefahrensituationen und beherrschen ihr Fahrrad im Allgemeinen besser.
Gemäß Unfallforschung der Versicherer sind Abbiegeunfälle nach Einbiege- und Kreuzungsunfällen die zweithäufigste Unfallkonstellation für Radfahrer im innerstädtischen Verkehr. Jede vierte im innerörtlichen Verkehr verunglückte Person ist ein Radfahrer, und Abbiegeunfälle sind oft besonders schwerwiegend. Eine Analyse der Versicherer zeigte, dass 90 Prozent der untersuchten Unfälle bei Tageslicht und trockener Witterung stattfanden, was darauf hindeutet, dass Sichtprobleme primär aufgrund des toten Winkels und nicht durch Wetterbedingungen bestehen. [1] Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club weist darauf hin, dass LKW-Fahrer in allen tödlichen Abbiegeunfällen im Jahr 2017 die Schuld trugen, was die Verantwortung der Fahrer unterstreicht. [3]
Laut einer Umfrage der Versicherer empfinden Radfahrer Situationen als gefährlich, wenn schnell fahrende Verkehrsteilnehmer, insbesondere LKWs oder Busse, beteiligt sind, schlechte Witterungsbedingungen herrschen oder Zeitdruck besteht. Umgekehrt fühlen sie sich sicherer, wenn langsamere Verkehrsteilnehmer oder Blickkontakt mit dem Fahrer vorhanden sind.
Technologische Lösungen wie Abbiegeassistenten könnten viele Unfälle verhindern, werden jedoch nicht ausreichend genutzt. Eine Kravag-Umfrage aus dem Jahr 2022 ergab, dass nur 57 Prozent der LKW-Fahrer Abbiegeassistenten verwenden, im Vergleich zu 94,3 Prozent für Notbremsassistenten. Daten der der Versicherer zeigen zudem , dass Entschädigungszahlungen durch den Einsatz solcher Systeme nur langsam sinken, was ebenfalls auf eine zögerliche Implementierung hinweist. Mängel der Infrastruktur, wie unzureichende Radwege oder schlechte Sichtverhältnisse an Kreuzungen, verschärfen das Problem zusätzlich.
Die vom Bundesverkehrsministerium 2019 gestartete „Aktion Abbiegeassistent“ sowie die StVO-Novelle von 2020, die LKW beim Abbiegen zur Schrittgeschwindigkeit verpflichtet, haben zu einer spürbaren Verringerung der Unfallzahlen beigetragen. So konnte die Zahl der Radfahrenden, die 2021 durch abbiegende Lkw ums Leben kamen, auf 20 reduziert werden. Seit Mitte des Jahres 2022 dürfen zudem europaweit nur noch neue LKW-Modelle zugelassen werden, die mit einem elektronischen Abbiegeassistenten ausgestattet sind. Für bereits im Verkehr befindliche Fahrzeuge bleibt die Nachrüstung jedoch freiwillig, weshalb noch auf absehbare Zeit viele Lastkraftwagen ohne diesen Sicherheitsassistenten unterwegs sein werden.
Zur weiteren Reduzierung von Abbiegeunfällen fordert der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club die flächendeckende Nachrüstung von LKWs ab 3,5 Tonnen mit Abbiegeassistenten sowie die Verbannung von Fahrzeugen mit schlechter Sicht aus Innenstädten. Weitere Vorschläge umfassen z. B. getrennte Ampelschaltungen für Geradeaus- und Abbiegeverkehr und infrastrukturelle Verbesserungen wie bessere Sichtverhältnisse an Kreuzungen. Radfahrenden selbst wird empfohlen, an Kreuzungen besonders vorsichtig zu sein und den Schulterblick von Autofahrern zu beachten, da diese oft abgelenkt sind oder die Vorfahrt missachten. [3]
Stand: September 2025
[1] https://www.udv.de/udv/presse/lkw-abbiegeassistent-gegen-radfahrerunfaelle-78750
[2] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/04/PD25_N020_461.html
[3] https://www.adfc.de/pressemitteilung/adfc-toedliche-unfaelle-mit-abbiegenden-lkw-nehmen-zu-scheuer-muss-handeln
Tags: Bundesanstalt für Straßenwesen BASt Unfallforschung der Versicherer UDV Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club ADFC LKW Lastkraftwagen Verkehr Abbiege Unfall Assistenz System Abbiegeassistenten Vorsicht Übersicht Aufmerksamkeit Kinder Senioren Frauen gender gap