Der Begriff NEETs (Not in Education, Employment or Training) bezeichnet junge Menschen, die weder in Schule, Ausbildung, Studium noch Beschäftigung involviert sind. Diese Kategorie umfasst vor allem die Altersgruppe von 15 bis 24 Jahren und erfasst Personen, die mindestens vier Wochen in keinem dieser Bereiche aktiv waren.
Ende des Jahres 2023 zählte Deutschland etwa 626.000 NEETs in der Altersgruppe 15 bis 24 Jahre. Erweiterte Schätzungen erfassen allerdings bis zu 1,2 Millionen NEETs im Alter 15 bis 29 Jahre, inklusive solcher in Integrationsmaßnahmen oder ohne reguläre Schulausbildung. International rangiert Deutschlands offizielle Quote mit 7,5 Prozent im unteren Drittel Europas, hinter Ländern wie Rumänien (16,5 Prozent), aber vor den Niederlanden (3,3 Prozent).
Die Gründe für den NEET-Status sind multifaktoriell und spiegeln individuelle, soziale und strukturelle Faktoren wider. Zu beachten ist, dass der Begriff tatsächlich eine hochgradig heterogene Gruppe zusammenfasst. So gehören zu dieser Gruppe zum einen Menschen, die zum Beispiel aufgrund von Krankheiten oder Pflegeaufgaben (temporär) nicht erwerbsfähig sind, andererseits aber auch länger aktiv nach Jobs oder Ausbildungsplätzen Suchende.
Zudem gibt es jenen Teil der Gruppe bestehend aus Menschen, die sich nach vielen erfolglosen Bewerbungen aus Frustration vollständig vom Arbeitsmarkt zurückgezogen haben, sowie Jugendliche, die in einem Markt mit über 400 Ausbildungsberufen und noch mehr Studiengängen schlicht die Orientierung verloren haben und nun in dem Status verharren.
Ein Migrationshintergrund, soziale Faktoren wie Armut, elterliche Arbeitslosigkeit oder alleinerziehende Haushalte, erhöhen das Risiko von Jugendlichen am Arbeitsmarkt keine Aufnahme zu finden. Die fehlende familiäre Unterstützung erschwert die Suche und die Bürokratie in Jobcentern und Datenschutzregeln verhindert oft frühzeitige Hilfe, sodass bis zu 130.000 Jugendliche jährlich "verloren" gehen.
Auf individueller Ebene führt anhaltender NEET-Status zu reduzierten Chancen auf allen gesellschaftlichen Ebenen, niedrigem Selbstwert, sozialen Ängsten und psychischen Belastungen. Viele bleiben in der Folge langfristig unqualifiziert, was ihren späteren Einstieg in den Arbeitsmarkt zusätzlich erschwert.
Gesamtgesellschaftlich verschärft dies langfristig den Fachkräftemangel: So fehlten zum Beispiel im Jahr 2022 bei über 630.000 offenen Stellen qualifizierte Bewerber, während gleichzeitig 2,5 Millionen der 20- bis 34-Jährige ohne Abschluss sind.
Die große Heterogenität der Gruppe der NEETs erschwert pauschale Analysen, da sie weder identisch mit Jugendarbeitslosen (die nur registrierte Suchende erfassen) noch mit Ungelernten ist. Dementsprechend ist es unsinnig, mit einem Pauschalrezept die Quote der NEETs insgesamt senken zu wollen. Effektive Strategien müssten sich spezifisch am Bedarf der jeweiligen Untergruppe orientieren.
Die Erwerbsquote der Menschen, welche aufgrund von eigener Krankheit oder häuslicher Pflichten nicht arbeiten können, kann nur schwerlich erhöht werden. Die Untergruppe der Arbeitsverweigerer ist nur extrem schwer zu erreichen und zu motivieren. Das größte Potential zur Aktivierung bietet die Gruppe der Jugendlichen am Anfang ihrer potentiellen Berufstätigkeit. Entsprechende Bemühungen diesen Teil der NEETs in Ausbildung und Arbeit zu vermitteln, ist essentiell ein Programm zur Reduzierung von Jugendarbeitslosigkeit.
Stand: März 2026
Tags: Jugend Arbeitslosigkeit Schule Ausbildung Studium Fachkräftemangel Arbeitsmarkt Deutschland Gesellschaft Verweigerer Andreas Herteux